Erster Neuzugang
#4
Interessantes über den neuen "ALTEN"

Sebastian Retting will in Staßfurt Verantwortung übernehmen – in Angriff wie Abwehr

1.MännerEr ist 1,98 Meter groß, er markierte in der vergangenen Saison 209 Tore für die HG 85 Köthen in der Handball-Regionalliga, Sebastian Retting ist immer noch der Shooter aus dem Rückraum, er sitzt immer noch ungern auf der Ersatzbank, und er spricht immer noch das aus, was der denkt. Manche würden deshalb sagen: Retting ist unbequem. Er selbst empfindet das vielleicht ebenso, dafür finden sich Beispiele, die wiederum bestätigen: Unbequem treibt Retting an.

Staßfurt. Sebastian Retting sitzt nicht aufrecht, sondern leicht nach vorn gebeugt und auf Augenhöhe mit seinem Gesprächspartner. Naturgemäß muss er im Stehen herabschauen auf sein Umfeld, aber er schaut dann nicht nur mit den Augen, er schaut mit dem gesamten Gesicht. Der Rückkehrer zum HV Rot-Weiss Staßfurt ist über die Dinge nicht erhaben, aber seine Stimme und Worte teilen Selbstbewusstsein mit – und eine gewonnene Reife. Er wäre nicht nach Staßfurt gekommen, wenn Staßfurt noch SV Concordia geheißen hätte. Andererseits hatte gerade Concordia Retting viel gegeben, "als ich aus Halle kam und eigentlich Niemand war". Damals, im Jahr 2004, war er 19 Jahre jung. Geholt hatte ihn Trainer Rainer Koch, und in Rettings Ansichten über Handball klingt immer noch viel Koch durch. Staßfurt war für ihn "eine Schule des Lebens". Jens Lingott, mit dem der gelernte Industriekaufmann noch aktiv auf der Platte stand und der heute dem Förderverein der Rot-Weissen vorsitzt, hatte ihm eingeimpft: "Box‘ dich durch, verfolge dein Ziel." Staßfurt hat Retting also geprägt. Jetzt, sagt er, ist es an der Zeit, Staßfurt etwas zurückzugeben.

Er hätte sich auch anders entscheiden können, Anhalt Bernburg war zum Beispiel ein Thema. Aber die beiden Jahre bei der HG 85 Köthen, 2008 hatte er Staßfurt verlassen, haben ihm gezeigt, dass Handball nicht alles ist, und dass Sport auf der Ebene Regionalliga nicht das Leben erfüllen muss. Retting spricht über seine Rückkehr von einer Vernunftentscheidung.

Den Traum vom Profihandball hat er eigentlich nur in den fünf Jahren an der Sportschule Halle gelebt, in Staßfurt hat er seinen Zivildienst absolviert, seine Ausbildung genossen, er hat seine berufliche Zukunft dort gefunden. Diese Sicherheit erfüllt ihn mit Stolz. Er muss nicht mehr weite Wege zum Training fahren, er hat in Staßfurt längst ein echtes Heimspiel, er kann sich mehr Zeit nehmen für die Familie, für die Eltern Kerstin und Matthias, selbst ehemalige leistungsbezogene Handballer, für die Schwester Christiane und natürlich für die Freundin Stefanie. Das Umfeld muss bei Retting stimmen.

Vor zwei Jahren indes fiel ihm die Entscheidung, Staßfurt zu verlassen, nicht schwer. "Bei Concordia war alles schlechter geworden, der Verein konnte auch kein Konzept mehr vorlegen." Konzepte, Planungssicherheit, die Erkennbarkeit eines Ziels, das erwartet Retting. Im April, als die Gespräche mit Rot-Weiss ins Detail gegangen waren, hat er im neuen Staßfurt all diese Dinge gefunden, vor allem aber hat er seine Rolle in der Mitteldeutschen Oberliga erkannt. Neben Volker Wartmann, Stefan Wiederhold und Christian Lingk wird er in der neuen Saison zu den Führungsspielern der Mannschaft gehören. Er wird und vor allem: Er will. "Das Spiel läuft über den Rückraum, dort werden alle Entscheidungen getroffen. Und ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen."

Die Zeit, da Sebastian Retting von seinen Fehlern negativ beeinflusst wurde, ist vorbei. "Wenn man kein Risiko gehen kann, braucht man auch nicht spielen", lautet seine Devise. In Köthen hat er sich erst unter Enrico Nefe, dann unter Heinz Prokop auf verschiedene Art und Weise weiterentwickelt, wenngleich es zwischen beiden Trainern und dem Hünen zu Differenzen gekommen war. Nefe hatte Retting sogar suspendiert, aber "wir waren wirklich eine gute Mannschaft, sie hat hinter mir gestanden". Der Vollstrecker kehrte deshalb zurück ins Team.

Allein ein Vollstrecker, trotz der gewonnenen Variabilität in seinen Würfen, will er nicht mehr sein. Sein neuer Trainer Jürgen Wartmann hatte bereits angekündigt, Volker Wartmann wieder mehr an den Kreis zu bringen. "Das freut mich, das hat mit Volker früher immer sehr gut funktioniert", erklärt Retting. Seine Verantwortung soll sich aber nicht nur auf den Angriff erstrecken, die will er auch in der Abwehr übernehmen. Da passt es gut, dass Wartmann ein Verfechter der 6-0 oder der 5-1 ist. Größenvorteile, wie sie Retting hat, sind dann wertvoll.

Sebastian Retting hat viele Erfahrungen und Lehren zu vermitteln. Akteure wie Alexander Ernst, wie Retting bevorzugt auf Rückraum links eingesetzt, können davon profitieren. "Wir sind auf jeder Position mit zwei Leuten gut besetzt", weiß der heute 25-Jährige. Trotzdem müsse sich Ernst nicht fürchten, völlig ins zweite Glied zu rücken. "Er darf nicht resignieren, die Spielanteile werden sich über die gesamte Saison verteilen. Das ist immer so." Auch das ist das Resultat eines Reifeprozesses: Mit Sebastian Rettings Rückkehr beginnt für Alexander Ernst wohl die Schule des Lebens. Und bequem ist diese nicht.
Antworten



Nachrichten in diesem Thema
Erster Neuzugang - von RWS-Staßfurt - 21.04.2010, 21:40
RE: Erster Neuzugang - von RWS-Staßfurt - 24.04.2010, 06:50
RE: Erster Neuzugang - von Onkel Wolfgang - 23.05.2010, 10:22
RE: Erster Neuzugang - von Onkel Wolfgang - 01.06.2010, 11:48

Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Neuzugang SG Eintracht Glinde Mats88 3 8.523 23.06.2010, 06:41
Letzter Beitrag: MO65
  1. Neuzugang in der Glocken- und Modestadt! Sportlereins 0 4.494 28.05.2010, 08:42
Letzter Beitrag: Sportlereins

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste