HSG-Dachse siegen bei den Lundaspelen
#1
Dachse rocken Schweden

Die HSG-Dachse beendeten ihr erfolgreichstes Jahr 2013 mit dem 9. Platz in der Bundesliga als jüngstes Team Deutschlands und der erneuten überragenden Qualifikation für ein zweites Bundesligajahr mit einen fulminanten Paukenschlag und siegten in Lund (Schweden) bei dem größten Hallenhandball-Turnier im Winter, den Lundaspelen.


Nach dem schon überzeugenden Auftritt beim Turnier in Magdeburg am 21./22.12., u.a. mit einem Sieg gegen den ungarischen Meister MKB Veszprem, wussten sich die Freiberger vom 26.-30.12. erneut deutlich zu steigern und landeten in 8 Spielen 8 Siege! Und davon war definitiv nicht auszugehen, denn schon in der Vorrunde der „Hammergruppe“ warteten mit FIF Kopenhagen und IK Sävehof Göteborg die Meister ihres Landes. Aber es wurde die beste Turnierleistung der Dachse und das, obwohl sie auf einige Spieler verzichten mussten. So fehlten u.a. mit Til Horna ein Stamm-Torhüter und mit Björn Richter ein Stamm- Linkshänder.

Im ersten Turnierspiel gegen die SG Hamburg-Nord, mit vielen Spielern des HSV, war schon einmal ein weiterer „Brocken“ für einen guten Start zu bespielen. Es war trotzdem nicht ganz einfach, dies den Spielern deutlich zu machen. Nach einem schnellen 4:0 war die Partie für die Dachse wieder einmal entschieden. Die Abwehr arbeitete ohne Zugriff und so ergab sich ein ständiges Wellental zwischen plus 6 und 2. Die Freiberger konnten sich eben, wie in Magdeburg gegen den ThSV Eisenach, auf ihren Angriff verlassen. Mit einem mühsamen 31:27 starteten die Sachsen aber mit einem gewünschten Sieg. Im zweiten Spiel gegen die auch sympathische Mannschaft vom SV Warendorf hatten die Freiberger dann wenig Mühe und gingen durch viele Ballgewinne schnell mit 8:0 in Führung. Kraftsparendes Agieren und eine defensive Deckung brachten dann auch dem Gegner Möglichkeiten, die sie gewinnbringend nutzen konnten. Daraus ergab sich ein 33:14. Im letzten Tagesspiel gegen FIF Kopenhagen, die zuvor mit einem Tor gegen Sävehof verloren hatten, ging es damit schon um eine mögliche Qualifikation fürs Viertelfinale. Es wurde ein unheimlich kampfbetontes und sehr körperliches Spiel, bei dem die überheblichen und arroganten Dänen, genervt von den Dachsen, immer mehr die Kontrolle über das Spiel verloren. Die Bergstädter hatten immer Antworten und konnten so auch ihre deutliche körperliche Unterlegenheit ausgleichen. Beim 14:10 für Freiberg begannen die Universitätsstädter den Vorsprung „geschickt im Schongang“ zu verwalten. Deshalb wurde es noch einmal eng. Schlussendlich stand aber ein umjubelter und für unmöglich gehaltener 15:14- Sieg.

Am nächsten Tag wartete schon im ersten Spiel des zweiten Spieltages der Vorrunde mit dem IK Sävehof der nächste Knaller. Beide Mannschaften konnten eigentlich von den beiden ersten Plätzen, die das Viertelfinale bedeuteten, kaum noch verdrängt werden. Es ging also „nur“ um den Gruppensieg. Trotz der Warnung durch FIF schienen auch die Göteborger die Dachse nicht wirklich ernst zu nehmen. Die Freiberger spielten souverän und kontrollierten das Spiel auf Grundlage ihrer deutlichen spielerischen Überlegenheit. Dazu kam eine solide Deckungsarbeit. Sävehof brachte die Dachse nur durch einige sehenswerte Schlagwürfe in Verlegenheit. Eine Fehlwurfserie gegen Ende der Begegnung ließ die Schweden aber noch auf 17:19 verkürzen. Die letzte Partie gegen die Dänen vom HK Öresund verlief wenig spektakulär. In der Gruppe waren die Würfel im Wesentlichen gefallen. Ziel war nur, schnell eine deutliche Führung herauszuwerfen, um dann den unbeherrschten Attacken der Dänen zu entgehen. Das Vorhaben ging auf. Kontrolliert und völlig untypisch für uns, spielten die Jungen die Begegnung auf Ergebnis „herunter“ (23:11). Damit stand der überraschende Gruppensieg in Stein gemeißelt. Vorher hatten die Trainer eigentlich mit dem Ausscheiden gerechnet, aber die Dachse wollten nicht!

Tag drei begann mit dem Viertelfinale gegen die Schweden vom HK Höörs. Unglaublich, welche Energie und Konzentration die Freiberger aufs Parkett brachten. Eine überragende Deckungsleistung, unterstützt von den Torhütern, brachte eine schnelle deutliche Führung (14:3). Die größeren, aber schwerfälligen Schweden standen den Dachsen hilflos gegenüber. Auch hier entlud sich die Hilflosigkeit in einige, aber bedeutungslose Attacken gegen die Bergstädter. Nach dieser deutlichen Führung, gingen die Dachse wieder in Ergebnisverwaltung über. Auch das muss im letzten Jahr der Jugend gelernt werden und wurde gut gelöst. In der Abwehr blieben sie weiter aktiv und im Angriff wurde souverän auf Sicherheit gesetzt. Das brachte einen deutlichen 21:11- Sieg und den Einzug ins Halbfinale. Dort wartete am Abend mit dem HIK Kopenhagen ein weiteres dänisches Schwergewicht. In der restlos überfüllten Sporthalle, in der jeder Sitz- und Stehplatz so besetzt waren, dass die Zuschauer schon im Spielfeld standen, war für eine heiße Begegnung alles angerichtet. Im Vergleich zu den Dänen wirkten die Dachse auch körperlich eher wie Vater und Sohn. Aber eine bärenstarke Abwehrleistung, auch in Unterzahl, brachte den Freibergern eine nahezu durchgängige Führung. Auch im Angriff konnten sich die Bergstädter immer wieder spielerisch lösen und sich viele völlig freie Würfe erarbeiten. Allein eine schon fast unfaire Torhüterleistung auf Kopenhagener Seite brachte die Jungen immer wieder um ihren Lohn. Aber es reichte am Ende in einer spannungsgeladenen und fesselnden Partie zum überschwänglich bejubelten 20:18. Finale.

Letzter Tag. 30. Dezember. Finaltag. Gegner, wieder IK Sävehof Göteborg, übrigens: der größte Handballclub der Welt, vor 3000 Zuschauern in der Arena von Lund mit Life-Übertragung. Ik-Teams waren in fast allen Finals. Nicht alle haben sie gewonnen. ☺ Das habe ich oben schon geschrieben, aber die Art und Weise war Gänsepelle! Am Anfang der Begegnung waren vielleicht 100 Zuschauer auf Seiten der Deutschen, am Ende waren nur ungefähr noch so viele für die Schweden. Ziel war, das Publikum zu begeistern und mitzunehmen auf einen ganz besonderen Trip. Wir wollten zeigen, dass sich eine offensive, ballorientierte und saubere Abwehrarbeit lohnen kann und dieses Tempo auch in die Offensive bringen. Wir wollten das Publikum fesseln, in Staunen und Verzücken versetzen. Das wurde einzigartig umgesetzt. Die Dachse entfachten bei den Zuschauern einen Pool der Ovationen mit ihrer offensiven, dachsschlauen Abwehrarbeit und einem gnadenlosen Trommelfeuer im Angriff, dass Sävehof, die dachten, dass sich eine Niederlage gegen uns nicht wiederholen kann, hoffnungslos überfordert die Waffen strecken musste und sich nur noch mit Unsportlichkeiten in Szene setzen konnte, um auch eine Erwähnung zu erhalten. Der Live-Kommentar im TV überschlug sich mit „Fantastic-Handball“, „Rock`n Roll- Handballer“, „Heavy-Metal-Handball“, „Saxon Dynamite“. Gelobt wurde die unendliche Laufkraft, die Ermüdungsresistenz, die Dynamik, die blitzsaubere Abwehrarbeit, die „unbelievalibel discipline“ und der Willen, gepaart mit der spielerischen Klasse und Risikobereitschaft. So einen fantastischen und unterhaltsamen Handball hätten sie noch nicht gesehen, so die Kommentatoren nach dem Spiel. Ich habe sie nach Freiberg eingeladen. ☺ Nach dem 22:15- Finalsieg gab es unfassbare Lobeshymnen von fast allen Seiten (ausgenommen Göteborg und Kopenhagen), die genau das auch zum Inhalt hatten. Im Zentrum stand dabei natürlich die extrem offensive und saubere Deckungsarbeit im Verbund mit dem Torhüter. Fast schon logisch für uns, sind wir auch das Team mit den meist erzielten Toren. Das war ein Feuerwerk schon vor Silvester, mit einem Unterschied, unser Feuerwerk wird vielen Menschen in Erinnerung bleiben. Wir haben damit viele inspiriert. Etliche Trainer und Handballverantwortliche waren glücklich das Spiel auf Video zu haben. Sie wollen es analysieren und daraus Trainingsinhalte ableiten. Im Prinzip sind wir nun genau da, wo ich mit den Dachsen einmal hin wollte: Nach ganz oben und bewundert für eine grandiose sportliche Leistung ohne Abstriche und dies mit Jungen, die weder von überall her kommen noch körperlich in Höhe und Breite besonders entwickelt sind!

Viele Leute aus vieler Herren Länder und Deutschland wollten wissen, wo die Universitäts- und Bergstadt Freiberg liegt. Die anderen werden es googeln. ☺

Fazit: Unfassbar stark, Jungs!!! Sensationelle Deckungsleistung!!! Gute Angriffsführung!!! Geniale Teamarbeit!!! Das beste Turnier der Dachse.

Interessant war auch die Spielleitung seitens der Schiedsrichter. In Schweden gibt es im Vergleich zu Deutschland unübersehbar deutliche Unterschiede. Es werden viel mehr Offensivfouls geahndet, teilweise zwar unverständlich, wenn die Abwehr im Kreis stand, aber ok. Dass in Schweden sonst unbeirrt nach Handballregeln gepfiffen wurde, spielte uns natürlich in die Karten. Es passieren kaum Schrittfehler und wenn, werden sie gnadenlos reglementiert. In Deutschland gibt es eine Flut von ungeahndeten Schrittfehlern, besonders aus dem Antippen mit „Nullschritt“. In Schweden undenkbar und deshalb kaum praktiziert. Dazu kommt, dass die Schweden viel mehr aktive Ballgewinne zulassen. Ich habe in 8 Spielen nicht einmal gefragt: „wofür?“. In Deutschland ist diese Frage an der Tagesordnung und bringt statt Ballgewinne, gelbe Karten für den Trainer, da der Abwehr immer wieder der Ball geklaut wird, durch irgendwelche Alibi-Pfiffe zu Gunsten des Angriffs, die in einer 6:0-Abwehr jedem Spielleiter peinlich wären. Die Spielhärte ist gleich, aber deren Ahndung konsequent! Kein Schiedsrichter scheut sich am Anfang, je nach Schwere des Vergehens, auch sofort „Zweiminuten“ oder „Rot“ zu geben. In Deutschland gibt es erst einmal „Gelb“, auch für klare „Rotfouls“ und dann wissen die Unparteiischen nicht mehr weiter, weil für „leichtere Vergehen“ kann man dann ja keine „Zweiminuten“ geben, wenn man für schwere vorher „Gelb“ ausgelobt hatte. So ist man als Referee von Anfang an auf verlorenem Posten. Nur wenige Schiedsrichterpaare in der Jugend- Bundesliga haben diese Regeln so klar unter Kontrolle, sind im Auftreten und in der Kommunikation auch unter Stress so souverän, wie die ebenso jungen Paare vor Ort.

Kritik für die Dachse? Natürlich!!! So in etwa stelle ich mir unseren Handball vor! Abzüglich der kleineren individuellen Fehler. ☺ Schnellere Umsetzung von Trainerhinweisen im Spiel wären wohl auch noch hilfreich. Wo es aber nach wie vor definitiv Verbesserungsbedarf gibt, ist die Torwurfeffektivität! Wir sollten uns zum Ziel setzen, uns noch besser zu belohnen!!!

PS: Vielen Dank an die unzähligen SMS, … und Glückwünsche nach jedem Spiel aus der Heimat, an die unbeschreiblich vielen Freunde der Dachse am Live-Ticker und Live- Stream , an alle Mitreisenden und an unseren kranken „Weihnachtsengel“ Stephanie, die dafür gesorgt hat, dass unser kleiner Kader immer wieder einsatzfähig war.

Auf geht`s nun Jung`s!!! Die letzten zehn Bundesligaspiele der Dachse warten darauf erfolgreich bestritten zu werden. Los geht`s am 11. Januar in Leipzig, beim Sachsenderby, Klappe die letzte!

I C H bin stolz auf E U C H!!! Danke!!! Es war mir ein FEST!!!

Budger, Budger, Budger, Budger, Budger!!! (Nur für Insider.)

Allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2014!!!

Text: Andreas Bolomsky





http://www.hsg-freiberg.de
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
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